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Zwei Fechter im Bund in der Trainingshalle

Historical European Martial Arts

Historischer Schwertkampf, aus den Quellen.

HEMA ist die Rekonstruktion der europäischen Kampfkünste aus Mittelalter und Renaissance — erarbeitet aus den Fechtbüchern, die uns ihre Meister hinterlassen haben. Kein Rollenspiel, keine Choreografie. Eine Kampfkunst mit schriftlicher Überlieferung.

Grundlagen

Was HEMA ist.

HEMA steht für Historical European Martial Arts, auf Deutsch: historische europäische Kampfkünste. Gemeint sind die Fecht- und Ringkünste, die in Europa zwischen dem 14. und dem 17. Jahrhundert unterrichtet und in Fechtbüchern festgehalten wurden.

Diese Künste sind über die Jahrhunderte aus der Praxis verschwunden. Geblieben sind die Handschriften und Drucke — Lehrtexte mit Bildern, teils in Reimform, teils als Kommentar. HEMA arbeitet an ihnen wie an einer historischen Quelle: lesen, deuten, ausprobieren, korrigieren.

Wir trainieren deshalb keine Technik, die sich jemand ausgedacht hat. Jede Bewegung hat ihren Ausgangspunkt in den Quellen. Und wo mehrere Deutungen möglich sind, testen wir sie im Training.

Langes Schwert

Das Lange Schwert ist die Leitwaffe der deutschen Fechttradition und die am besten belegte Disziplin überhaupt. Beidhändig geführt, rund 1,20 Meter lang, leichter als sein Ruf. Gefochten wird nicht mit Kraft gegen Kraft, sondern über Winkel, Zeit und das Gefühl in der Klinge: Wer im Bund steht, spürt, ob der andere hart oder weich drückt, und wählt danach die Technik.

Distanz
mittel bis nah
Führung
beidhändig
Kern
Bindungsarbeit, Winden, Meisterhaue

Die Tradition geht auf Johannes Liechtenauer zurück, dessen Merkverse ab dem späten 14. Jahrhundert von zahlreichen Fechtmeistern kommentiert wurden.

Langes Schwert im Bund

Cod.icon. 394a, fol. 12r · Bayerische Staatsbibliothek München

Langes Messer

Langes Messer

Ein einschneidiges Kurzschwert, einhändig geführt, mit Pariernagel über der Hand. Das Messer war die Waffe des Bürgers — erlaubt, alltäglich, oft das Einzige, was jemand bei sich trug. Sein Fechten ist entsprechend direkt: kürzere Wege, mehr Körpereinsatz, häufiger Übergang ins Ringen am Schwert.

Distanz
nah
Führung
einhändig
Kern
Hiebe, Absetzen, Übergang ins Ringen

Hauptquelle ist das Fechtbuch von Johannes Lecküchner (15. Jahrhundert), das das Messerfechten so ausführlich behandelt wie sonst kein Werk.

Rapier

Mit dem Rapier wechselt die Logik. Die Waffe ist lang, schlank und auf den Stich gebaut; gefochten wird auf Distanz, in gerader Linie, mit dem Fuß als Taktgeber. Wo das Lange Schwert im Bund verhandelt, entscheidet hier das Maß: Wer eine Handbreit zu früh vorgeht, ist getroffen.

Distanz
weit
Führung
einhändig
Kern
Maß, Linie, Stich

Die italienische Schule des 17. Jahrhunderts — Ridolfo Capoferro und Salvator Fabris — liefert die Grundlagen.

Rapier
Training mit der Mordaxt

Mordaxt

Die Mordaxt ist eine Stangenwaffe für den Kampf im Harnisch: rund zwei Meter, mit Hammer, Haken und Spitze. Sie wird an beiden Enden gefasst und wechselt ständig die Seite — schlagen, haken, hebeln, stoßen. Das Fechten damit erinnert weniger an Klingenarbeit als an Hebelmechanik mit langem Werkzeug.

Distanz
weit bis nah
Führung
beidhändig, wechselnd
Kern
Haken, Hebel, Harnischkampf

Le Jeu de la Hache, eine burgundische Handschrift des 15. Jahrhunderts, ist die dichteste Quelle zum Axtkampf.

Gladiatoria, MS Germ. Quart. 16, fol. 1v · Harnischkampf mit dem Spieß

Dolch

Auf kürzester Distanz ist der Dolch die härteste Disziplin der Sammlung. Kein Maß, keine Bindung — es geht um Griff, Winkel und Sekundenbruchteile. Trainiert werden Angriff, Abwehr, Entwaffnung und die Übergänge dorthin, wo eine Klinge allein nicht mehr entscheidet.

Distanz
kürzest
Führung
einhändig
Kern
Abwehr, Entwaffnung, Kontrolle

Die Gladiatoria-Gruppe (15. Jahrhundert) zeigt den Dolch im Zusammenhang mit dem Kampf im Harnisch.

Dolcharbeit im Training
Ringen im Training

Ringen

Ringen ist in den Quellen keine eigene Sportart, sondern die Grundlage aller anderen Disziplinen. Sobald die Distanz zusammenbricht, entscheidet es: Griff am Arm, Hebel am Ellenbogen, Wurf über die Hüfte. Wer ringt, versteht danach auch das Fechten besser — weil jede Bindung irgendwann in Körperkontakt übergehen kann.

Distanz
Körperkontakt
Führung
waffenlos
Kern
Hebel, Würfe, Bruch der Distanz

Im Kampf mit dem Schwert kann die Distanz schnell zu eng werden, um noch sinnvoll zu fechten. Dann wird gegriffen, gerungen und geworfen.

Harnischringen · Fechtbuch, 15. Jahrhundert

Herkunft

Rekonstruiert, nicht erfunden.

Was wir unterrichten, steht geschrieben. Zwischen dem 14. und dem 17. Jahrhundert entstanden in Europa hunderte Fechtbücher — Handschriften und Drucke, in denen Meister ihr System festhielten: Merkverse, Kommentare, Bildtafeln, teils ganze Lehrgänge.

Die Arbeit mit den Quellen ist ein fortlaufender Prozess. Eine Textstelle wird übersetzt, ihre Bedeutung erschlossen und in Bewegung übertragen. Wir vergleichen verschiedene Quellen, betrachten Bilder und Beschreibungen und erproben die daraus entwickelte Interpretation mit einem Partner im Training. So entsteht Schritt für Schritt ein Verständnis dafür, wie eine Technik funktioniert haben könnte – und was uns die alten Fechtmeister über ihre Kunst überliefert haben.

Waffenständer mit Übungswaffen
Seite aus einem Fechtbuch des 15. Jahrhunderts
MS E.1939.65.341, fol. 11v · Glasgow Museums

Abgrenzung

Wie sich HEMA unterscheidet.

HEMA wird manchmal mit anderen Formen des Schwertkampfs verwechselt. Der Unterschied liegt weniger in den Waffen als in dem, was wir mit ihnen erreichen wollen.

HEMA

Historische Fechtkunst wird anhand überlieferter Quellen rekonstruiert. Texte und Bilder geben die Richtung vor, die Techniken werden praktisch erprobt und müssen sich auch gegen einen nicht kooperierenden Gegner bewähren.

LARP

Hier steht das gemeinsame Spiel im Mittelpunkt. Der Kampf ist Teil einer Geschichte, Rollen und Regeln schaffen eine fiktive Welt. Bei HEMA dagegen geht es darum, eine historische Kampfkunst zu verstehen und praktisch zu erproben.

Viele kommen aus dem LARP zu uns – die Begeisterung für Schwertkampf verbindet beides.

HEMA

Wir beschäftigen uns mit den vollständigen historischen Kampfsystemen – mit verschiedenen Waffen ebenso wie mit Ringen, Hebeln und Würfen. Welche Techniken und Prinzipien dazugehören, ergibt sich aus den überlieferten Quellen.

Sport- und olympisches Fechten

Florett, Degen und Säbel sind moderne Wettkampfsportarten mit eigenen Techniken und einem festen Regelwerk. HEMA verfolgt keinen modernen Sportstandard, sondern orientiert sich an den historischen Fechtquellen und den darin beschriebenen Kampfsystemen.

HEMA

Auch im Harnisch geht es darum, historische Kampftechniken zu rekonstruieren. Die Rüstung ist dabei Teil des historischen Kontextes – nicht das eigentliche Wettkampfziel.

Buhurt

Buhurt ist moderner Vollkontakt-Wettkampf im Harnisch. Entscheidend ist, sich nach den heutigen Regeln körperlich durchzusetzen. HEMA stellt eine andere Frage: Wie wurde der Kampf mit und in Rüstung von den historischen Fechtmeistern beschrieben?

Keine dieser Disziplinen ist weniger wert als die andere. Sie verfolgen nur unterschiedliche Ziele.

Einstieg

Häufige Fragen.

Ist das gefährlich?

Wir trainieren mit stumpfen Federn, Holz- und Kunststoffwaffen und mit Schutzausrüstung, die zur jeweiligen Übung passt. Verletzungen sind selten und meist blaue Flecken. Dennoch handelt es sich um eine Kampfkunst — ein geringes Verletzungsrisiko lässt sich nicht vollständig ausschließen.

Brauche ich Vorerfahrung?

Nein. Die meisten fangen bei null an. Vorkenntnisse aus anderen Kampfkünsten helfen manchmal, manchmal auch nicht — das Lange Schwert funktioniert nach eigenen Regeln.

Muss ich fit sein?

Du musst keine Grundfitness mitbringen, sie stellt sich ein. Wer nach zwei Stunden Training müde ist, hat alles richtig gemacht. Bei gesundheitlichen Einschränkungen sag vorher Bescheid — vieles lässt sich anpassen.

Kann ich als Frau mittrainieren?

Ja, und das ist keine Ausnahme. Technik, Timing und Distanz entscheiden mehr als Körperkraft. Bei uns trainieren alle zusammen, ohne getrennte Gruppen.

Ist das Wettkampfsport?

Nicht in erster Linie. Kampfkunst vor Kampfsport: Es gibt Turniere in der HEMA-Szene, und wer will, kann dort antreten. Der Schwerpunkt im Training liegt auf der Quelle, nicht auf der Wertung.

Trainingsgruppe in der Halle

Schwertkampf in Karlsruhe

Historische Fechtkunst. Heute trainiert.

Unter der Woche trainieren wir mit den verschiedenen historischen Waffen – vom Langen Schwert bis zum Rapier. Du musst dich nicht vorher festlegen: Komm einfach zum Probetraining und entdecke, was zu dir passt.

Training Mo–Fr ab 18 Uhr